Maibaum

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2015 - Der Baum kommt zurück nach Poing

Gemäß dem allgemeinen Turnus wird ein neuer Maibaum alle 5 Jahre umgeschnitten, bearbeitet und letztendlich wieder aufgestellt. Auch in Poing hat sich dieser Rhythmus über mehrere Jahrzehnte eingestellt und gehalten. Damit stand auch 2010 schon fest, dass der Nachfolger des damaligen Baumes am ersten Mai 2015 aufgestellt wird.

Bereits Anfang 2014, also etwas weniger als eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Termin, begann die damalige Vorstandschaft mit den Planungen für den Wachstüberlbetrieb sowie das eigentliche Aufstellen. Schon sehr früh stellte sich heraus das diese Zeit sehr knapp bemessen war, da der organisatorische und verwaltungstechnische Aufwand, vor allem durch bürokratische Hürden, in den letzten Jahren enorm angestiegen ist. Dennoch ließen sich die Burschen damals natürlich nicht von ihrem Ziel abbringen.

Wie so oft im Leben ist es eine der ersten Fragen, wo das ganze stattfinden soll. Während 2010 der Wachbetrieb und die Bearbeitung des Baumes im alten Maurerhof an der Hauptstraße durchgeführt wurde, entschlossen sich die Burschen dieses mal auf den Volksfestplatz am Hanselbrunn auszuweichen. Dort waren mitunter zwei wichtige Bedingungen erfüllt, zum einen ist er sehr zentral und gut erreichbar nahe der Ortsmitte gelegen und zum anderen etwas abseits von Wohnbebauungen bei denen sich Anwohner durch den abendlichen Betrieb oder die Arbeit am Baum gestört fühlen könnten. Sowohl die Gemeinde als auch der Gemeinderat waren von dieser Idee überzeugt und gaben ihr Einverständnis.

Mit Örtlichkeit vor Augen konnten dann über mehrere Wochen und Monate hinweg die Planungen auf Hochtouren laufen, bis zum ersten wichtigen Termin: Dem Umschneiden des neuen Baumes. Meist wird ein Maibaum zwischen Weihnachten und Neujahr umgeschnitten, zum einen stehen die Bäume in dieser Zeit nicht im Saft und führen damit nur sehr wenig Wasser außerdem ist der empfindliche Waldboden durch den Frost geschützt und nimmt nur sehr geringen oder gar keinen Schaden. Also rückten am 27. Dezember 2014 eine handvoll Burschen samt Teleskoplader, Bulldog und selbst gebauten Maibaumwagerln (Nachläufer) aus um das bereits einige Tage vorher ausgesuchte Exemplar umzuschneiden.

Gruppenbild Burschen beim Umschneiden

Die tonnenschwere Fichte, die das Umschneiden unbeschadet überstanden hatte, wurde an eine Lichtung im Forst transportiert und anschließend mit entsprechendem Werkzeug entrindet sowie vom Bast befreit, sodass das eigentliche Holz über die nächsten vier Monate leichter und schneller trocknen konnte.

Maibaum beim Trocknen an der Lichtung im Forst

In der Zwischenzeit hatten die Burschen genug Zeit das Stüberl, in dem der Baum vom Einholen bis zum Aufstellen am ersten Mai vor Dieben aus den umliegenden Gemeinden bewacht wird, aufzubauen. Den Grundkern bildeten mehrere 20-Fuß-Container die innen sowie außen fast vollständig mit frisch geschnittenen Schwartlingen verkleidet wurden. Im Zentrum stand die selbst gebaute Bar die ein eigenes mit Ziegel eingedecktes Vordach erhielt. Den letzten Schliff verlieh die archaische Dekoration mit Trophäen und alten Werkzeugen. So verwandelten sich die Container in ein rustikal-uriges und gemütliches Stüberl, in welchem die Burschen nach getaner Arbeit am Baum Wache halten und Gäste ob Jung oder Alt gerne zu Besuch kommen konnten.

Nachdem der Aufbau des Stüberls fast reibungslos von statten gegangen war, konnte am 21. März besagter Baum eingeholt werden. Ein Teil der Burschen machte sich auf in den Forst um das neue Heiligtum der Burschen sicher in seine neue Heimat zu transportieren, während der andere Teil damit beschäftigt war die Vorbereitungen für das Eintreffen des Baumes und die damit verbundene Feier zu treffen. Die Fahrt vom Ebersberger Forst nach Poing verlief nahezu ohne Komplikationen, einzig die Kreuzung Hauptstraße / Neufarner Straße bereitete Schwierigkeiten, doch die Burschen sind bekannt dafür Probleme schnell aus der Welt zu schaffen, mit schwerem Gerät und einer Kettensäge - bei der kurzerhand ein Laubbaum einige Äste lassen musste - wurde diese Hürde gemeistert. Anschließend traf der Baum mit etwas Verspätung am Hanselbrunn ein, wo er von den zahlreichen Gästen bereits sehnsüchtig erwartet wurde. Das große Willkommensfest war damit voll im Gange und fand seinen Höhepunkt sicherlich in der abendlichen Party und dem damit einhergehenden ersten Wachbetrieb. Dieser wurde, wie es die Tradition im Burschenverein vor gibt, von der Vorstandschaft übernommen.

Es sollten noch viele feuchtfröhliche und lustige Wachabende folgen, die zum Teil von den Burschen aber natürlich auch von begeisterten Poingern gehalten wurden. Doch leider kam es etwas anders als geplant, ganze zwei mal war der reguläre Wachbetrieb unterbrochen, Grund: Maibaum nicht mehr da. Gleich zwei Burschenvereine mussten anrücken um den gut gesicherten Poinger-Baum in den frühen Morgenstunden des 27. März aus seinem Lagerort zu stehlen. Genauer genommen waren es die Burschen aus Oberpframmern und aus Moosach, genau die Vereine die der Burschenverein Poing bereits 2013 und 2014 um einen Maibaum erleichtert hat. Doch mit Brotzeit und Bier wurde das gute Stück schnell wieder ausgelöst. Als wäre das schon nicht genug gewesen lagen am Ostersonntag wieder Diebe auf der Lauer und spähten auf den Poinger Baum. Wieder mussten gleich zwei Vereine anrücken, die aus Harthausen und aus Putzbrunn, um die über 40 Meter lange Fichte aus dem Vorbau zu entwenden. Natürlich wurde sich bei den Auslöseverhandlungen auch dieses mal geeinigt und das Diebesgut kam wenige Tage später zurück nach Poing.

Wachplan

Neben Kesselfleischessen, Weißwurstfrühschoppen standen natürlich auch musikalische Acts auf dem Programm. Doch einer der Höhepunkte der Maibaumzeit ist selbstverständlich der Besuch von Korbinian „Kurbi“ Kreißer, das Ebersberger Original ist seit Jahren verantwortlich für die offizielle Vermessung der Maibäume im Landkreis. Mit gemessenen 42,15 Metern lag in Poing damit der mit Abstand größte Maibaum im Kreis Ebersberg. Außerdem beweisen die fünfeinhalb Festmeter dass in Poing nicht nur das längste, sondern auch das mächtigste Stück Holz lagert.

Je weiter sich die Stüberlzeit dem Ende zu neigte, desto näher rückte der große Tag. Die freudige Stimmung wurde lediglich von den täglich schlechter werdenden Wettervorhersagen gedrückt. Ein verregneter erster Mai war somit vorprogrammiert und letzten Endes war es nur noch ein Glücksspiel ob eine Verlegung auf den zweiten oder dritten Mai ein besseres Wetter verspricht. Die Vorstandschaft entschied sich dementsprechend der Tradition treu zu bleiben und den Maibaum am ersten Mai aufzustellen. Lediglich die Feier um den Maibaum wurde zum Stüberl am Volksfestplatz verlegt, da hier überdachtes Feiern möglich war. Neben den Burschen aus Pframmern und Moosach sowie Putzbrunn und Harthausen kamen auch etliche Poinger und Poingerinnen sowie Einwohner aus den umliegenden Gemeinden um mit zu Feiern oder sich das, trotz des Wetters, händische Aufstellen mit Schwaiberl anzusehen.

Maibaum nach dem Aufstellen

Insgesamt blickt der Burschenverein auf eine lange, erfolgreiche und gelungene Maibaum und Stüberlzeit zurück. Die lehrreichen Wochen haben mal wieder bewiesen, dass der Zusammenhalt und die Gemeinschaft sowie der Erhalt der Tradition bei den Burschen immer noch groß geschrieben wird.